Laut Polizeistatistik (PKS 2024) sind 69 % der Wohnungseinbrüche tagsüber zwischen 9 und 21 Uhr — also zu Urlaubs- und Pendelzeiten. Etwa 45 % aller Versuche scheitern, meist weil Einbrecher Spuren von Bewohnern wahrnehmen. Eine gute Anwesenheitssimulation senkt das Risiko deutlich, weil sie dazu beiträgt, dass Ihr Haus „belebt" wirkt — auch wenn niemand da ist.
Was viele falsch machen: Sie programmieren ein simples Zeitprogramm — Licht an um 18:30, Licht aus um 22:00. Jeden Tag das Gleiche. Profi-Einbrecher beobachten 2–3 Abende und merken sofort, dass es eine Maschine ist. Eine gute Anwesenheitssimulation muss zufällig variieren und realistisch sein. Genau das kann KNX richtig gut.
Faustregel
Schlechte Simulation: Licht an 18:30, aus 22:00 — täglich gleich. Gute Simulation per KNX: Wohnzimmer-Licht an 17:42–19:18 (zufällig), gedimmt auf 70–95 % (variabel), aus zwischen 21:48 und 23:23. Plus Küche-Licht beim Kochen-Zeit, plus Jalousien morgens, plus gelegentliche Bewegung im Flur.
Wirkt natürlich, nicht wie ein Programm.
Was kann KNX bei Anwesenheitssimulation besonders gut?
Drei Eigenschaften machen KNX hier überlegen gegenüber Funk-Systemen:
- Lokale Logik mit echtem Zufall: MDT-Logikmodul oder Gira X1 bringen Pseudo-Random-Generatoren mit. Funk-Systeme können meist nur Zeitpläne — kein dynamisches Verhalten.
- Aufzeichnung normaler Tage: KNX kann das echte Verhalten der Bewohner über 4–8 Wochen mitprotokollieren (welcher Raum wann eingeschaltet wurde). Die Simulation spielt dieses Muster ab — der „digitale Fingerabdruck" Ihrer Wohnweise.
- Vollintegration mit Jalousien, TV-Simulation, Außenlicht: KNX schaltet nicht nur Lampen — sondern auch Jalousien, Außenleuchten mit Dämmerungssensor, sogar Bewässerung — alles im gleichen Logik-Stand.
Die 4 wichtigsten Simulations-Strategien
1. Lichtszenen zu zufälligen Zeiten
Statt fixer Zeiten: ein Zeitfenster und zufällige Variation. Beispiel:
- Wohnzimmer: Einschalten zwischen 17:40 und 18:50, ausschalten zwischen 21:30 und 23:20
- Küche: Einschalten zwischen 17:30 und 19:15 (Kochzeit), 30–60 Minuten an
- Bad: 2–3 Mal pro Abend kurz an (5–8 Minuten), zwischen 19:00 und 22:30
- Schlafzimmer: Einschalten zwischen 22:00 und 23:30, gedimmt, 20–40 Minuten an
Dazu Dimm-Variation: Wohnzimmerlicht nicht immer 100 %, sondern zwischen 60 % und 100 %. Gibt es einen Fernseher? Wohnzimmerlicht oft gedimmt auf 30–50 % — wie beim TV-Schauen.
2. Jalousien morgens und abends — leicht zufällig
Wer im Urlaub die Jalousien tagelang unten lässt, signalisiert Abwesenheit. Wer sie permanent oben hat, auch verdächtig. Die richtige Lösung: morgens hoch, abends runter — aber nicht jeden Tag um exakt die gleiche Uhrzeit.
- Hochfahren: 07:30–08:45 (zufällig im Fenster)
- Runter-Fahren: Sonnenuntergang +20 bis +60 Minuten (Astro-Funktion plus Zufall)
- Wochenende anders als Wochentag: Samstag/Sonntag später hoch (z. B. 08:30–09:45)
Bonus: Eine Jalousie hochfahren-Bewegung morgens ist akustisch hörbar — Nachbarn registrieren das. Hilft auch.
3. TV-Simulation mit LED-Strip
Ein laufender Fernseher ist eines der überzeugendsten Anwesenheits-Signale. Wer keinen Smart-TV mit Auto-Einschalt-Funktion hat, simuliert TV mit einem LED-Strip hinter dem Sofa oder einer dimmbaren RGB-Lampe:
- Farbwechsel zwischen warmen und kühlen Tönen alle 3–15 Sekunden
- Helligkeits-Variation 40 %–95 % (zufällig)
- Gelegentliche „Werbepause" — abruptere Farbsprünge
- Laufzeit Wohnzimmer-„TV": zufällig 90 bis 180 Minuten an einem Abend
Mit einem KNX-DALI-RGBW-Gateway oder einem KNX-fähigen LED-Controller (z. B. MDT AKD-0204V.02) ist das einfach zu programmieren. Investition: 250–400 € für einen Raum.
4. Außenbeleuchtung mit Dämmerungssensor
Außenlicht ist die erste Verteidigungslinie. Es signalisiert: „Jemand achtet auf das Haus." Konzept:
- Dämmerungssensor schaltet bei Lichteinfall < 20 Lux das Außenlicht ein (variabel)
- Variant 1: Eingangsbereich konstant gedimmt
- Variant 2: Garten-Strahler zufällig 2–4 Mal pro Nacht für 5–15 Minuten an (wie bei einem Hund-Gang)
- Bewegungsmelder mit gezielter Strahler-Schaltung — Bewegung im Garten löst sofort Licht aus, plus Mitteilung an Handy
Konkretes ETS-Beispiel: Pseudo-Random im MDT Logikmodul
Das MDT Logikmodul (z. B. MDT BE-Logik oder integriert in MDT Glastaster II) hat einen Funktionsblock „Zufalls-Generator". Beispiel-Programmierung für Wohnzimmer-Licht:
// Wohnzimmer-Anwesenheits-Simulation
// Trigger: Tageszeitschalter, jeden Tag 17:30
[Logikbaustein 1: Einschalt-Verzögerung]
Eingang: Anwesenheits-Modus (1 = Urlaub aktiv)
Trigger: Uhrzeit-Element 17:30
Zufalls-Verzögerung: 0–80 Minuten
Ausgang: GA 1/0/15 = "Wohnzimmer EIN"
[Logikbaustein 2: Helligkeit zufällig]
Trigger: GA 1/0/15 = EIN
Zufallszahl: 60–95 %
Ausgang: GA 1/0/16 = "Wohnzimmer Dimmwert"
[Logikbaustein 3: Ausschalt-Verzögerung]
Trigger: Uhrzeit-Element 21:30
Zufalls-Verzögerung: 0–110 Minuten
Ausgang: GA 1/0/15 = "Wohnzimmer AUS"
[Logikbaustein 4: Re-Trigger Schutz]
Wenn GA 1/0/15 = AUS, sperre Logikbaustein 1
für nächste 18 Stunden
So einfach wie das aussieht, so wichtig ist die Sperre (Logikbaustein 4): Sonst kann ein zweiter Trigger das Licht nachts wieder einschalten — verdächtig.
Tipp: Bei der Programmierung in der ETS unbedingt einen "Master-Schalter Anwesenheits-Modus" einbauen — ein zentrales Bit, das alle Simulations-Logiken aktiviert. So lässt sich beim Reisen mit einem Tastendruck alles aktivieren.
Anti-Las-Vegas-Regel: dezent statt grell
Fehler vermeiden
Eine Anwesenheitssimulation soll
natürlich wirken — nicht „Smart-Home-Showroom". Häufige Anfänger-Fehler: jede Lampe an, alle Räume gleichzeitig, voller Dimmwert, RGB-Farbenspiel im Schlafzimmer. Das schreit „niemand da, alles automatisch". Profi: 2–3 Räume gleichzeitig, gedimmt, leise.
Die beste Simulation ist die unauffällige: Ein Wohnzimmer-Licht warmweiß gedimmt auf 70 %, dazu Küche kurz. Das wirkt wie ein Mensch, der zu Hause ist und sich entspannt.
Konkret vermeiden:
- Alle Räume gleichzeitig hell beleuchtet (niemand macht das)
- Räume die nie aufleuchten (z. B. nur das Wohnzimmer, sonst tot)
- RGB-Farben in Wohnräumen (außer hinter TV — siehe oben)
- Schnelle Schalt-Sequenzen (jede Minute ein anderes Licht)
- Lichter zur Geisterstunde 02:00–05:00 (verdächtig)
Pflicht-Komponenten für ein realistisches Setup
| Komponente | Aufgabe | Preis netto |
| MDT Logikmodul (BE-Logik oder Glastaster II Smart mit Logik) | Zufallsgenerator + Logik-Schaltung | 250–400 € |
| Gira X1 Server (alternative) | Visuelle Programmierung der Logik | 550–650 € |
| KNX-Schaltaktoren (vorhanden bei normalem KNX) | Lichter steuern | 0 € (vorhanden) |
| KNX-Jalousie-Aktoren | Rollläden steuern | 0 € (vorhanden) |
| KNX-Dämmerungssensor + Außensensor | Außenlicht dämmerungsabhängig | 180–290 € |
| KNX-RGBW-Controller (für TV-Simulation) | LED-Strip wechselnde Farben | 180–280 € |
| KNX-Bewegungsmelder Außenbereich | Live-Reaktion auf Garten-Bewegung | 140–220 € |
| Visualisierung (Touch-Panel oder App) | Urlaubs-Modus aktivieren von unterwegs | 0–600 € |
Realistische Investition für Anwesenheitssimulation in bestehendem KNX-Haus: 600–1.200 € netto Material plus 4–8 Stunden Programmierung.
Versicherungsrabatt: was geht wirklich?
Viele Hausrat- und Wohngebäudeversicherungen geben Rabatt für Smart-Home-Sicherheit. Das ist kein flächendeckendes Standard-Angebot, sondern muss bei der Versicherung angefragt werden:
| Versicherer | Rabatt-Programm | Bedingung |
| HUK-Coburg | bis 10 % Hausrat-Rabatt | VdS-anerkannte Smart-Home-Anlage |
| Allianz | 5–10 % je nach Tarif | Anwesenheitssimulation + Alarmanlage |
| AXA | SmartHome-Tarif mit Rabatt | Bei Buchung des speziellen Tarifs |
| Württembergische | 5–8 % | Mit Schutzanlage und Smart-Home-Doku |
| R+V Versicherung | Individueller Bonus | Bei Beantragung mit Nachweis |
Wichtig: Rabatte sind selten automatisch — Sie müssen die Anwesenheitssimulation aktiv angeben. Viele Versicherungen verlangen Dokumentation (Fotos, Konfigurations-Beleg, Hersteller-Datenblatt). Ein gut dokumentiertes KNX-System ist hier klar im Vorteil gegenüber Bastel-Lösungen.
Bei 600 € Hausrat-Beitrag pro Jahr und 10 % Rabatt sparen Sie 60 €/Jahr — die Investition amortisiert sich in 10–20 Jahren. Eher als Sicherheits-Plus zu sehen denn als reiner Spar-Effekt.
HowTo: Anwesenheitssimulation in 5 Schritten
- Master-Bit "Urlaubsmodus" anlegen: Eine zentrale Gruppenadresse in der ETS, die per Tastendruck oder App den Urlaubsmodus aktiviert. Alle Logiken hängen daran.
- Räume und Tageszeiten kartieren: Welcher Raum wann normalerweise erleuchtet ist (auf Basis Ihres echten Tagesablaufs). Eine Excel-Liste mit „Raum × Stunde × Wahrscheinlichkeit" hilft.
- Zufalls-Zeitfenster definieren: Für jede Raum-Tageszeit-Kombination: Start-Fenster (z. B. 18:00–19:30), Dauer (z. B. 90–180 Min), Dimm-Bereich (z. B. 60–95 %).
- In Logikmodul programmieren: Mit MDT BE-Logik, Gira X1 oder Home Assistant die Random-Verzögerungen und Schalt-Befehle realisieren. Sperr-Logiken einbauen (kein Doppel-Trigger nachts).
- Live-Test über 1 Woche: Aktivieren Sie den Urlaubsmodus testhalber an einem Wochenende. Beobachten von außen (oder per Foto-Protokoll): Wirkt es natürlich? Anpassen, bis es überzeugt.
Was kombiniert sein sollte
Anwesenheitssimulation alleine ist nur ein Baustein. Für sicheres Reisen ergänzen:
- Echte Alarmanlage (VdS-anerkannt, mit Fenster-/Tür-Magnetkontakten) — schreckt wirklich ab
- Live-Push-Benachrichtigungen bei Bewegung im Garten oder Fensterkontakt-Alarm
- Briefkasten-Leerung durch Nachbarn (überfüllter Briefkasten = klares Signal)
- Nachbarschaft informieren — der menschliche Faktor ist immer noch wichtig
- Keine Urlaubs-Posts auf Social Media — banal, aber wird oft vergessen
Mehr zum Thema: Smart Home Datenschutz & Sicherheit.
Typische Fehler vermeiden
- Zu offensichtliche Muster. Wenn jeden Abend genau zur Tagesschau das Wohnzimmer angeht — auffällig. Variation muss ehrlich zufällig sein.
- Vergessene Räume. Wenn nur das Wohnzimmer leuchtet, aber Bad/Küche dunkel bleiben, wirkt es tot. Mindestens 3 Räume rotieren.
- Jalousien tagelang gleich. Wer in Urlaub fährt und sie unten lässt → tot. Wer sie oben lässt → leer. Tägliches Auf-Ab ist Pflicht.
- Briefkasten überquillt. Die beste Simulation hilft nicht, wenn 14 Tage Werbung im Kasten stehen. Nachbarn einbinden.
- Social-Media-Stories vom Urlaub. „Bin gerade in Bali" auf Instagram = digitales Klingelschild für Einbrecher.
FAQ: KNX-Anwesenheitssimulation
Wie viel reduziert eine gute Anwesenheitssimulation das Einbruchrisiko?
Polizeistudien zeigen: rund 45 % aller Einbruchsversuche werden abgebrochen, weil Einbrecher Spuren von Anwesenheit wahrnehmen. Eine glaubhafte Simulation senkt das Risiko also nicht auf null — aber sie senkt es deutlich. Wichtig: Kombination mit Alarmanlage und Außenlicht. Smarte Anwesenheit + sichtbare Sicherheit = stärkste Abschreckung.
Reicht ein simples Zeitprogramm nicht aus?
Nein. Erfahrene Einbrecher beobachten 2–3 Abende — und merken sofort, wenn Lichter immer zur exakt gleichen Sekunde an- und ausgehen. KNX kann mit Logikmodulen echte Pseudo-Zufallszeiten generieren. Das ist der Hauptunterschied zu billigen Funk-Zeitschaltuhren.
Kann ich Anwesenheitssimulation auch ohne Logikmodul realisieren?
Sehr eingeschränkt. Manche KNX-Aktoren haben Basis-Zufalls-Funktionen (z. B. „Wechseln zwischen Zeit-Stempeln"), das reicht aber nicht für glaubhaft variierte Muster. Realistisch: MDT Logikmodul (250 €) oder Gira X1 (550 €). Home Assistant als Logik-Brain ist kostenlos, braucht aber Linux-Kenntnisse.
Wie aktiviere ich den Urlaubsmodus von unterwegs?
Mit Visualisierung (Gira X1, MDT VisuControl, Home Assistant) und Fernzugriff via VPN oder Hersteller-App. Vor Abreise lokal aktivieren ist sicherer; Fernzugriff brauchen Sie nur, wenn Sie vergessen haben oder spontan ändern wollen. Niemals ohne Authentifizierung — Cloud-Schwachstelle.
Bekomme ich wirklich einen Versicherungsrabatt?
Manchmal ja, aber selten automatisch. HUK-Coburg, Allianz, AXA und einige andere haben Smart-Home-Tarife mit 5–10 % Hausrat-Rabatt. Voraussetzung: aktiv angeben, oft mit Foto-/Konfigurationsnachweis. Bei VdS-anerkannten Anlagen (VdS = Verband der Sachversicherer) sind die Chancen höher.
Ist eine Anwesenheitssimulation auch im Alltag (nicht nur Urlaub) sinnvoll?
Ja — viele Einbrüche passieren tagsüber, wenn Bewohner zur Arbeit sind. Eine reduzierte Simulation (Außenlicht, gelegentlich Wohnzimmer-Licht bei Dämmerung) kann auch im Alltag laufen. KNX kann unterscheiden: „Bewohner physisch da" (durch Bewegungssensor in der Wohnung erkannt) → keine Simulation. „Niemand da" → Simulation läuft.
Funktioniert das auch ohne KNX, z. B. mit Homematic oder Tuya?
Sehr eingeschränkt. Homematic bietet einfache Zeitschaltuhren mit Zufallselementen, aber die Logik-Tiefe ist begrenzt. Tuya/HomeKit haben fast keine echten Random-Funktionen. KNX mit Logikmodul ist deutlich überlegen. Vergleich:
KNX vs Loxone vs Homematic.
Was kostet die Anwesenheitssimulation als Nachrüstung?
Wenn KNX schon vorhanden ist: 600–1.200 € Material + 4–8 h Programmierung (300–600 € Arbeit). Wenn KNX komplett neu installiert wird: rechnen Sie 6.000–12.000 € für ein EFH mit allen Sicherheits-Modulen, siehe
KNX-EFH-Kosten.