Crestron Electronics ist seit den 70er-Jahren der unangefochtene Premium-Standard für kommerzielle und Luxus-Automation. Wer Hotels, Konferenz-Centren, Sportstadien, Profi-Tonstudios oder die Yacht eines Milliardärs steuert, landet fast immer bei Crestron. In den letzten Jahren drängt das US-Unternehmen mit Crestron Home auch verstärkt in den Premium-Wohnungsbau.
Wir bekommen regelmäßig Anfragen von Bauherren, die zwischen KNX und Crestron schwanken – meistens auf Empfehlung des Architekten oder eines Audio-/Video-Integrators. Die ehrliche Antwort: Crestron ist nicht „besser“ als KNX. Es ist eine andere Liga, mit anderem Einsatzbereich, anderer Preisklasse und anderem Lebenszyklus. Hier ist die nüchterne Einordnung.
Kurzantwort vorweg
Crestron gewinnt bei: Luxus-EFH/Villa ab 1 Mio. € Baukosten, Hotels, Yachten, Profi-Tonstudios, Heimkinos auf THX-/Dolby-Atmos-Niveau, Multi-Source-Multi-Zone-Audio mit Wand-Touchpanels in jedem Raum, kommerzielle Anwendungen.
KNX gewinnt bei: Normalem EFH bis 1 Mio. € Baukosten, professionellem Smart-Home ohne Übertreibung, herstellerneutraler Investition, Bauherren die selbst Aktoren tauschen wollen, planbarem Wartungsbudget.
Häufige Kombi: KNX für Gebäudetechnik (Licht, Heizung, Beschattung, Sicherheit), Crestron als AV-Layer für Heimkino/Multiroom-Audio.
Worum geht's hier – die zwei Welten in 60 Sekunden
Crestron ist ein vollintegriertes Premium-Automatisierungs-Ecosystem aus den USA. Vom Controller (z. B. Crestron CP4-R, MC4) über Lichtsteuerung, Audio-/Video-Switching, HVAC, Beschattung, Sicherheit bis zu eingelassenen Touchpanels und individuell programmierten User-Interfaces. Alles aus einer Hand, proprietäre Software (Crestron SIMPL Windows, Crestron Toolbox, neuerdings Crestron Home Setup). Lokale Steuerung möglich, mit Crestron-XiO-Cloud für Fernwartung optional.
KNX ist ein international genormter Gebäudebus-Standard (EN 50090 / ISO 14543) mit eigenem Buskabel parallel zum 230-V-Stromnetz. 500+ Hersteller, 30+ Jahre Lebensdauer, professionelle Programmierung mit der ETS-Software. Aktoren dezentral, kein Konzern-Lock-in.
Der entscheidende Unterschied: Crestron ist ein vertikal integriertes Premium-System aus einer Hand, mit eigenen Audio-/Video-Komponenten und individuell programmierter UI. KNX ist ein offener Bus-Standard mit kompetitivem Hersteller-Mix. Crestron ist konzeptionell näher an einer Profi-Studio-Audio-Anlage als an einer Bus-Hausverkabelung.
Die direkte Gegenüberstellung
Crestron
€€€€€
- Premium-Profi-System (alles erdenklich)
- Integrative AV/Lighting/HVAC/Audio
- „Schweizer Uhrwerk“-Qualität
- Lokale Steuerung möglich
- Premium-Hardware, hochwertige Touchpanels
- Profi-Multi-Source-Multi-Zone-Audio
- Brutale Preise (10.000–100.000+ € EFH)
- Nur zertifizierte Programmierer (1.500–3.000 €/Tag)
- Proprietäre Software, Hersteller-Lock-in
- Lange Implementation (3–9 Monate)
- Spezialisten-Pool sehr klein in DACH
KNX
€€€
- Herstellerunabhängig, offen (500+ Hersteller)
- Lebensdauer 25–30 Jahre
- Voller Funktionsumfang (DALI, Wetterstation, PV)
- Komplett ohne Internet betreibbar
- Profi-Wandtaster & Glaspanels
- +5–10 % Wiederverkaufswert
- 5–10x günstiger als Crestron bei vergleichbarer Funktion
- Großer Markt an Programmierern & Schaltschrankbauern
- Weniger eingelassene UI als bei Crestron
- Profi-Audio/Video-Switching nicht im KNX-Standard
Vergleichstabelle: 9 Kriterien im Direktvergleich
| Kriterium | Crestron | KNX |
| Preis EFH 6 Räume |
30.000–100.000+ € inkl. Programmierung & Touchpanels |
3.500–14.000 € (Profi-Komplettsystem) |
| Funktionsumfang |
Alles erdenklich – Licht, Beschattung, HVAC, AV-Switching, Multiroom-Audio, Heimkino, Sicherheit, Konferenz-Raum-Steuerung |
Licht (inkl. DALI/RGB/Konstantlicht), Beschattung mit Wetterstation, HVAC, Präsenz, Sicherheit, PV/Energie, Audio über Gateways |
| Skalierbarkeit |
Praktisch unbegrenzt (kommerzielle Anwendungen mit Tausenden Endpunkten) |
Praktisch unbegrenzt (bis 65.000 Adressen pro Linie, viele Linien koppelbar) |
| Update-Sicherheit |
Crestron pflegt aktiv, hat aber bei Generationswechseln (z. B. Pro2/Pro3 zu CP4/MC4) Hardware geändert – teure Migration |
Offener Standard, rückwärtskompatibel seit 1990 |
| Cloud-Abhängigkeit |
Lokale Steuerung möglich; Crestron-XiO-Cloud für Fernwartung optional, für Voice-Integration teilweise nötig |
Vollständig lokal möglich |
| Installation |
Crestron-zertifizierter Programmierer (Crestron Certified) + Elektriker, 3–9 Monate Projektlaufzeit |
Elektriker + KNX-Programmierer, 1–3 Monate Projektlaufzeit |
| Hersteller-Vielfalt |
1 (Crestron Electronics, USA) |
500+ (Gira, JUNG, MDT, ABB, Siemens, …) |
| Lebensdauer |
Hardware 15–20+ Jahre robust, aber Generationswechsel erzwingen oft Upgrades |
25–30+ Jahre (KNX-Hardware aus 1995 funktioniert heute noch) |
| Energieeffizienz |
Vollintegriert – jede HVAC-Komponente, jeder Verbraucher konfigurierbar; aber Profi-Programmierung erforderlich |
Präsenz-/Lichtsteuerung, PV-Lastmanagement, Wetterstation-geführte Beschattung – ganzhausweit, mit großem Standardumfang |
Crestron – Pro und Contra ehrlich
Was Crestron richtig gut macht
- Schweizer Uhrwerk: Crestron-Hardware ist unter den robustesten am Markt. Controller, Touchpanels und Multimedia-Switches halten 15–20+ Jahre im 24/7-Betrieb. Crestron-Hardware aus den 90er-Jahren läuft in vielen Konferenz-Centren heute noch.
- Volle AV-Integration: Crestron ist im professionellen Audio-/Video-Geschehen zu Hause. HDMI-Switching, AV-over-IP, NVX-Decoder/Encoder, Multi-Zone-Audio mit Profi-DSP, Dolby Atmos Heimkino-Steuerung – alles aus einem Guss.
- Individuelle UIs: Crestron-Touchpanels werden individuell programmiert. Architekten-traum: jedes Panel sieht exakt so aus, wie der Eigentümer es will. Logo, Hintergrundbild, Layout, Animations – alles frei.
- Skalierbar bis kommerziell: Crestron steuert Konferenz-Centren mit 200 Räumen, Sportstadien, Universitäts-Campus, Yachten mit 50 Kabinen. Was im EFH overkill ist, ist in der großen Liga Standard.
- Lokale Steuerung möglich: Trotz Premium-Anspruch funktioniert Crestron Local Mode – Cloud ist optional, nicht Pflicht (anders als bei vielen Cloud-zentrierten Premium-Systemen).
- Eingelassene Touchpanels: Crestron-Wandeinbau-Touchpanels (z. B. TS-770, TSW-1070) sind optisch und haptisch am Premium-Ende des Marktes – vergleichbar mit der besten KNX-Visualisierung, aber meist eine Klasse höher in der Verarbeitung.
Wo Crestron schwächelt
- Brutaler Preis: Ein Standard-EFH mit Crestron Home startet bei rund 25.000 € und kann ohne Probleme 100.000+ € erreichen. Das ist 5- bis 10-mal mehr als ein vergleichbar funktionales KNX-Setup.
- Nur zertifizierte Programmierer: Crestron arbeitet ausschließlich mit zertifizierten Crestron-Integratoren. Tagessätze 1.500–3.000 €. Für ein normales EFH-Projekt entstehen 30–80 Programmiertage Aufwand – das macht Programmierung allein 45.000–240.000 € aus.
- Proprietäre Software: Crestron SIMPL Windows, Crestron Toolbox, Crestron Home Setup sind komplett geschlossen. Nur ein zertifizierter Programmierer kann an Ihrem System arbeiten. Aktoren oder Sensoren selbst tauschen? Nicht ohne Vor-Ort-Termin des Integrators.
- Lange Implementation: Vom Auftrag bis zum bezugsfertigen System vergehen typisch 3–9 Monate. Anpassungen später sind ebenfalls integrator-gebunden und kostenpflichtig.
- Kleiner Spezialisten-Pool in DACH: Crestron-zertifizierte Programmierer sind in Deutschland, Österreich, Schweiz eine kleine Szene – vor allem im Profi-AV-Bereich. Für Wohnbau-Integration gibt es nur eine Handvoll Anbieter pro Region.
- Hardware-Wechsel erzwungen: Generationswechsel (Pro3 zu CP4 z. B.) erzwingen Programmierungs-Updates und teils Hardware-Tausch. Das ist im Schaltzentralen-Bereich planbar, aber kostet.
- Wartung im Eigenregie nicht möglich: Sie können weder Aktoren selbst tauschen noch Programmierung anpassen. Jede Änderung läuft über den Integrator. Für technikaffine Bauherren oft eine Frustration.
KNX – Pro und Contra ehrlich
Was für KNX spricht
- 30+ Jahre offener Standard: EN 50090, ISO/IEC 14543. Rückwärtskompatibilität ist geläufige Praxis.
- 500+ Hersteller: Gira, JUNG, Berker, MDT, Siemens, ABB, Hager, Theben, Busch-Jaeger, … Hersteller-Lock-in ausgeschlossen.
- 5–10x günstiger bei vergleichbarer Gebäudetechnik-Funktion: Für Licht, Beschattung, Heizung, Präsenz, Sicherheit und PV-Energiemanagement ist KNX nicht funktional unterlegen – nur ein Bruchteil so teuer.
- Großer Markt an Profis: KNX-Schaltschrankbauer, Programmierer und Aktoren-Lieferanten gibt es in jeder mittleren Stadt. Für Wartung und Erweiterung jederzeit zugänglich.
- Wartung im Eigenregie möglich: Aktoren können Sie selbst tauschen, ETS-Anpassungen lassen sich beim KNX-Service-Partner Ihrer Wahl machen.
- Wiederverkaufswert: Ein KNX-Haus erzielt 5–10 % Premium gegenüber einem vergleichbaren Haus ohne Bus. Ein Crestron-Haus ist im Luxussegment ebenfalls ein Verkaufsargument, aber für 90 % der Wohnimmobilienkäufer schlicht overkill.
Wo KNX nicht passt
- Profi-Audio-/Video-Switching: HDMI-Matrix, AV-over-IP, Multi-Zone-Profi-Audio mit DSP – das deckt der KNX-Standard nicht ab. Dafür braucht es ohnehin ein dediziertes AV-System (Crestron, Extron, AMX, Savant).
- Individuell programmierte Touchpanels: KNX-Visualisierungen (Gira G1, MDT, Home Assistant) sind konfigurierbar, aber meist Template-basiert. Für individuell programmierte UIs mit Logo und freier Layout-Wahl ist Crestron das bessere Werkzeug.
- Profi-Heimkino auf Studio-Niveau: Wer ein Dolby-Atmos-Heimkino mit eingelassenen Touchpanels, Beam-Projektor, motorisierter Leinwand, Akustik-Vorhängen und individueller Lichtszene plant, bekommt mit Crestron eine professionellere Lösung.
Wann ist Crestron die bessere Wahl?
Klare Empfehlung für Crestron in folgenden Fällen:
- Luxus-Villa über 1 Mio. € Baukosten: Wenn die Bausumme so hoch ist, dass 50.000 € Smart-Home-Aufpreis im Verhältnis untergehen.
- Hotels, Yachten, Profi-Tonstudios: Kommerzielle Anwendungen mit Audio-/Video-/Lighting-/HVAC-Integration sind klassische Crestron-Domäne.
- Heimkino auf Profi-Niveau: Dolby Atmos, eingelassene Touchpanels, motorisierte Leinwand, Beam-Projektor mit Auto-Kalibrierung, akustische Vorhänge, individuelle Lichtszenen mit Konstantlicht-Regelung.
- Multi-Source-Multi-Zone-Audio in jedem Raum: Sie wollen in 15 Räumen unabhängig vom Hauptverteiler Streaming-Quellen, Multiroom-Audio mit Audio-Matrix und Profi-Lautsprechern.
- Individuelle UI mit Architekten-Anspruch: Sie wollen jedes Touchpanel mit Ihrem Logo, Ihrer Hausfotografie und individuell programmiertem Layout.
- Unbegrenztes Wartungsbudget: Sie sind bereit, jährlich 5.000–15.000 € Wartung und Anpassungen an einen Integrator zu zahlen.
Wann ist KNX die bessere Wahl?
Klare Empfehlung für KNX bei:
- Normales bis gehobenes EFH (bis 1 Mio. € Baukosten): Crestron ist hier overdimensioniert. KNX deckt 95 % der gewünschten Smart-Home-Funktion zu 10–20 % des Preises ab.
- Sie wollen Hersteller-Wahlfreiheit: Gira-Glaspanels neben JUNG-Tastern, MDT-Aktoren neben ABB-Wetterstation – alles im selben KNX-Bus möglich.
- Sie wollen Wartung im Eigenregie: Aktoren selbst tauschen, ETS-Anpassungen beim KNX-Service-Partner Ihrer Wahl machen lassen.
- Planbares Wartungsbudget: KNX-Anlagen sind nach Inbetriebnahme typisch wartungsarm. Anpassungen kosten 100–300 €/Stunde beim Service-Partner – nicht 1.500–3.000 €/Tag wie bei Crestron.
- Sie wollen Audio/Video als separates System: Profi-AV-Funktionen lassen sich auch als separates Crestron-Subsystem oder über Sonos/Hue/HDMI-Matrix neben KNX integrieren – das ist oft die smartere Lösung als alles in Crestron zu zwingen.
- Wiederverkauf wichtig: KNX-Haus = sichtbarer Premium-Eindruck mit Hauswert-Effekt, ohne Käufer mit 50.000-€-AV-Overhead zu überfordern.
Die elegante Kombination: KNX als Gebäudetechnik, Crestron als AV-Layer
In der Premium-Wohnbau-Praxis sehen wir häufig genau diese Kombination – und sie ist meist die wirtschaftlich sinnvollste Wahl:
- KNX als Gebäudetechnik: Licht (inkl. DALI), Beschattung mit Wetterstation, Heizung, Kühlung, Sicherheit, Präsenz, PV-Energiemanagement – alles über den KNX-Bus.
- Crestron als AV-Layer: Profi-Audio (Multi-Source-Multi-Zone, NVX), HDMI-Matrix, Heimkino-Steuerung, eingelassene Touchpanels in den Haupträumen.
- KNX-Crestron-Gateway: Crestron unterstützt KNX-Integration nativ. Das heißt: Die Crestron-Touchpanels können direkt KNX-Aktoren steuern – Licht, Jalousie, Heizung – und gleichzeitig den AV-Layer.
- Wartungstrennung: KNX-Service durch jeden KNX-Partner machbar (günstiger, breiter Markt). Crestron-Service nur durch zertifizierten Integrator (teurer, Kontakt über den Integrator pflegen).
Praxis-Tipp
Wenn Sie eine Luxus-Villa bauen und der Architekt „Crestron“ vorschlägt: Fragen Sie ihn, ob KNX für die Gebäudetechnik und Crestron nur für AV/Heimkino eine Option ist. Diese Trennung spart oft 50–70 % der Gesamtkosten – und Sie behalten Wartungs-Flexibilität.
Preisbeispiel: Premium-EFH mit 6 Räumen
Annahme: 200-m²-EFH, 6 Räume + Heimkino, Premium-Smart-Home-Ausstattung. So sehen die beiden Welten in Zahlen aus:
| Komponente | Crestron (Vollintegration) | KNX (Vollausstattung) |
| Zentrale / Controller | Crestron CP4-R / MC4 ~3.500 € | KNX Spannungsversorgung + IP-Router ~450 € |
| Heizungsregelung (6 Räume) | Crestron HVAC-Controller + Stellantriebe ~2.500 € | Heizungsaktor 6-fach + Stellantriebe ~600 € |
| Lichtsteuerung (16 Kreise + DALI) | Crestron DIN-LCS-Lighting-Module + DALI-Gateway ~6.500 € | Schalt-/Dimmaktor 8-fach + 4-fach Dimmer + DALI-Gateway ~1.500 € |
| Beschattung (8 Fenster) | Crestron Shading + Motoren ~5.000 € | Jalousieaktor 8-fach + Wetterstation ~950 € |
| Wandbedienung (3 Touchpanels) | 3× Crestron TSW-770 ~7.500 € | 3× KNX-Touchpanel (Gira G1) ~2.500 € |
| Heimkino-Steuerung | Crestron AV-Matrix + Audio-DSP + Beam-Steuerung ~12.000 € | Separates AV-Subsystem (z. B. Sonos + HDMI-Matrix) ~3.500 € |
| Multi-Zone-Audio (4 Zonen) | Crestron Sonnex/NVX + Speaker ~8.500 € | Sonos Amp 4x + Speaker ~2.800 € |
| Sicherheit | Crestron Integration vorhandene Anlage ~1.500 € | KNX-Alarmaktoren + Bewegungsmelder ~1.200 € |
| Programmierung & Inbetriebnahme | ~25.000–60.000 € (Crestron-zertifizierter Integrator) | ~2.500–5.000 € (KNX-Service-Partner) |
| Gesamtkosten | ~72.000–107.000 € | ~16.000–18.500 € |
Crestron liegt also bei rund 4–6-fachen Kosten von KNX – und das ist noch ein konservatives Beispiel. Für eine echte Luxus-Villa mit eingelassenen Touchpanels in jedem Raum, NVX-Switching, Profi-Multiroom-Audio und Heimkino auf Atmos-Niveau können die Crestron-Kosten leicht auf 150.000–300.000 € klettern. Für Bauherren mit normalem Premium-Budget bleibt KNX die ehrlichere Wahl – mit dem Option, Profi-AV als separates Subsystem zu integrieren.
Mythen-Check
Mythos: „Crestron ist die einzig echte Profi-Lösung“
Im AV-Bereich (Audio-/Video-Switching, Multiroom-Audio, Heimkino) ist Crestron tatsächlich am Premium-Ende. In der Gebäudetechnik (Licht, Beschattung, Heizung, Präsenz) ist KNX gleichwertig – oft besser, weil herstellerneutral. Crestron im EFH ist meist eine Marketing-Entscheidung, keine technische Notwendigkeit.
Mythos: „Mit Crestron habe ich Lebenslang-Garantie“
Falsch. Crestron-Hardware ist robust, aber Generationswechsel (Pro2 zu Pro3 zu CP4) erzwingen Hardware- und Programmierungs-Upgrades. Im 15-Jahre-Horizont entstehen typisch 20.000–50.000 € Folgekosten für Hardware-Updates und Anpassungen. KNX-Hardware aus den 90ern funktioniert heute noch ohne Anpassung.
Mythos: „Crestron ist nachhaltiger, weil Profi-Qualität“
Hardware-seitig stimmt das. Konzeptionell: Sie sind komplett abhängig von einem US-Konzern und seinen zertifizierten Integratoren. Wenn Crestron in 20 Jahren strategisch umdenkt, bleiben Sie sitzen. KNX als offener Standard mit 500+ Herstellern ist auf lange Sicht das resilientere System.
Mythos: „Crestron und KNX schließen sich aus“
Genau das Gegenteil. Crestron-Controller unterstützen KNX-Integration nativ. In der Premium-Wohnbau-Praxis ist genau diese Kombination – KNX für Gebäudetechnik, Crestron als AV-Layer – meistens die wirtschaftlich sinnvollste Wahl.
FAQ
Kann ich Crestron und KNX gleichzeitig betreiben?
Ja, sehr gut. Crestron-Controller unterstützen KNX-Integration nativ über den Crestron KNX-Treiber. Das heißt: Sie können KNX als Gebäudetechnik nutzen und Crestron-Touchpanels darauf zugreifen lassen – in der Premium-Villa die smarteste Kombi.
Wie viel kostet ein zertifizierter Crestron-Programmierer pro Tag?
Realistisch 1.500–3.000 € pro Tag plus Reisezeit. Für ein normales EFH-Projekt entstehen 30–80 Programmiertage. KNX-Service liegt bei 100–200 €/Stunde – eine andere Liga.
Wie lange wird Crestron noch unterstützt?
Crestron ist seit 1969 am Markt, finanziell solide und hat eine klare Pro-Marken-Strategie. Realistische Erwartung: 30+ Jahre Plattform-Existenz. Aber: Generationswechsel zwingen alle 7–10 Jahre zu Hardware-/Software-Updates.
Kann ich an meinem Crestron-System selbst etwas ändern?
Nein. Die Programmierung und Konfiguration ist ausschließlich über Crestron-zertifizierte Integratoren möglich. Selbst kleine UI-Anpassungen erfordern einen Vor-Ort-Termin oder Remote-Session des Integrators – kostenpflichtig.
Hat Crestron eine Wetterstation oder Beschattungsautomatik?
Ja, Crestron Shading unterstützt Wettergeführte Beschattung mit Wind-/Regen-/Sonnenstand. Funktional vergleichbar mit KNX, aber deutlich teurer. Für Beschattung allein gibt es keinen technischen Grund für Crestron statt KNX.
Welches System ist datenschutzfreundlicher?
KNX rein lokal betrieben. Crestron im Local-Mode ist auch ohne Cloud möglich. Cloud-XiO und Voice-Integration laufen aber über Crestron-Server in den USA – aus DSGVO-Sicht ein Punkt zum Prüfen. Mehr Hintergrund:
Smart Home Datenschutz.
Wann lohnt sich Crestron im EFH?
Realistisch ab Baukosten von 1–1,5 Mio. € aufwärts. Darunter ist KNX in der Regel die ehrlichere Wahl, eventuell mit einem Crestron-AV-Subsystem für Heimkino/Audio. Für normales Premium-EFH ist Crestron-Vollintegration überdimensioniert.
Gibt es günstige Alternativen zu Crestron mit ähnlicher AV-Tiefe?
Im Premium-AV: Savant, AMX (HARMAN), Control4. Alle mit ähnlicher Preisklasse und ähnlichem Profi-Anspruch. Für reine Gebäudetechnik ohne AV-Profi-Anspruch: KNX in allen Varianten oder Loxone als Mid-Range-Option.
Wie viele Crestron-Integratoren gibt es in Deutschland?
Eine kleine Szene – geschätzt 50–100 Firmen mit Crestron-Zertifizierung im DACH-Raum, davon viele im Profi-AV/Konferenz-Bereich. Für Wohnbau-Integration nur eine Handvoll Anbieter pro Region. Bei KNX gibt es Tausende von Schaltschrankbauern und Programmierern.
Was passiert mit Crestron bei Pleite des Integrators?
Sie müssen einen anderen Crestron-zertifizierten Integrator finden, der das System übernimmt. Die Programmierung des Vorgängers ist meist nicht dokumentiert oder gehört rechtlich noch dem Original-Integrator – kann teuer und kompliziert werden. KNX-Anlagen sind dank ETS-Datei und offenem Standard von jedem KNX-Partner übernehmbar.
Fazit: Crestron ist Luxus – KNX ist Standard im besten Sinn
Crestron ist das Schweizer Uhrwerk des Smart-Home. Für Hotels, Yachten, Profi-Tonstudios, Konferenz-Centren und Luxus-Villen mit unbegrenztem Budget die richtige Wahl. Hochwertige Hardware, individuell programmierte UIs, vollintegrierte AV-/Lighting-/HVAC-Lösungen aus einer Hand.
Aber: Für 95 % aller Wohnbau-Projekte ist Crestron schlicht overdimensioniert. KNX deckt den größten Teil der gewünschten Smart-Home-Funktion zu 10–20 % des Preises ab, mit offenem Standard, herstellerneutraler Hardware, großem Service-Markt und 25–30 Jahren Lebensdauer.
Unsere Empfehlung: Für ein normales Premium-EFH ist KNX die ehrliche Wahl. Für eine echte Luxus-Villa mit Profi-AV-Anspruch: KNX als Gebäudetechnik plus Crestron als AV-Layer. Rechnen Sie im KNX-Konfigurator Ihren konkreten KNX-Preis – und entscheiden Sie auf Basis echter Zahlen, ob der Crestron-Aufpreis wirklich gerechtfertigt ist.
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