Shelly hat in den letzten fünf Jahren die DIY-Smart-Home-Szene aufgemischt. Module ab 3 €, gute App, Cloud nutzen oder nicht nutzen, MQTT/REST/WebSocket-Schnittstellen ab Werk – viele Bauherren fragen uns inzwischen: „Warum eigentlich KNX für 8.000 €, wenn ich mit Shelly für 800 € quasi dasselbe bekomme?“
Die ehrliche Antwort: Für bestimmte Anwendungen ist Shelly tatsächlich der bessere Kauf – vor allem im Mietverhältnis, im Bestand und beim kleinen Budget. Für ein Neubau-EFH mit 25 Jahren Lebensdauer ist Shelly aber nicht das, wonach es auf den ersten Blick aussieht. Hier ist die nüchterne Einordnung aus 12+ Jahren Praxis.
Kurzantwort vorweg
Shelly gewinnt bei: Bestandsbau ohne Sanierung, Mieter, Budget unter 1.500 €, einzelne Funktionen (Rollladen nachrüsten, Heizung optimieren), Bastler/Maker.
KNX gewinnt bei: Neubau, Kernsanierung, ganzhausweite Beschattungs-/Lichtautomatik, 25+ Jahre Eigennutzung, Komfort-Wandbedienung, Wiederverkaufswert.
Worum geht's hier – die zwei Welten in 60 Sekunden
Shelly ist eine Produktlinie des bulgarischen Herstellers Allterco Robotics. Kerngedanke: kleine Funkmodule (Gen1/Gen2/Gen3, mittlerweile auch „Shelly Plus“ und „Shelly Pro“ für die Hutschiene), die per WLAN, neuerdings auch Zigbee/Matter/Bluetooth, untereinander und mit der Shelly-Cloud oder lokalen Systemen wie Home Assistant kommunizieren. Module gibt es für Schalt-, Rollladen-, Dimm-, Heizungs- und Mess-Funktionen.
KNX ist ein international genormter Gebäudebus-Standard (EN 50090 / ISO 14543) mit eigenem Buskabel parallel zum 230-V-Stromnetz. 500+ Hersteller, 30+ Jahre Lebensdauer, professionelle Programmierung mit der ETS-Software. Komponenten kommunizieren dezentral über den Bus, ohne zentrale Cloud oder Bridge.
Der entscheidende Unterschied: Shelly ist ein WLAN-zentriertes Modul-Konzept, das ohne strukturelle Eingriffe ins Haus passt. KNX ist eine infrastrukturelle Bus-Verkabelung, die einmalig beim Bau verlegt wird und dann 25+ Jahre hält. Das eine ersetzt das andere nicht – jeder Use-Case hat seinen Gewinner.
Die direkte Gegenüberstellung
Shelly
€
- Extrem günstig (3–30 € pro Modul)
- DIY-tauglich, keine Programmierer-Lizenz
- Cloud optional – lokaler Modus möglich
- MQTT, REST-API, WebSocket ab Werk
- Open-Source-Firmwares (Tasmota, ESPHome) kompatibel
- Rückbaubar, mietertauglich
- WLAN-abhängig (50–80 Module pro Router stabil)
- Cloud default an – muss manuell deaktiviert werden
- Optisch heterogen (verschiedene Gehäuse)
- Keine professionelle Wandbedienung
- Lebensdauer Module: 5–10 Jahre realistisch
KNX
€€€
- Herstellerunabhängig, offen (500+ Hersteller)
- Lebensdauer 25–30 Jahre
- Voller Funktionsumfang (DALI, Wetterstation, PV)
- Komplett ohne Internet betreibbar
- Profi-Wandtaster & Glaspanels
- +5–10 % Wiederverkaufswert
- Hohe Anschaffung (3.500–14.000 €)
- Buskabel-Verlegung erforderlich
- ETS-Programmierung durch Profi
- Im Bestand nur mit Aufwand nachrüstbar
Vergleichstabelle: 9 Kriterien im Direktvergleich
| Kriterium | Shelly | KNX |
| Preis EFH 6 Räume |
200–1.200 € (DIY, je nach Funktionsumfang) |
3.500–14.000 € (Profi-Komplettsystem) |
| Funktionsumfang |
Schalten, Dimmen, Rollladen, Heizung, Energiemessung, Tor/Tür – pro Funktion ein Modul |
Licht (inkl. DALI/RGB/Konstantlicht), Beschattung mit Wetterstation, HVAC, Präsenz, Sicherheit, PV/Energie, Multiroom-Audio |
| Skalierbarkeit |
Realistisch ~50–80 Module pro Router stabil; ab dem 100. Modul WLAN-Probleme |
Praktisch unbegrenzt (bis 65.000 Adressen pro Linie, viele Linien koppelbar) |
| Update-Sicherheit |
OTA-Updates über Cloud oder lokal, abhängig von Allterco Robotics |
Offener Standard, rückwärtskompatibel seit 1990 |
| Cloud-Abhängigkeit |
Cloud default aktiv; lokaler Modus möglich (Home Assistant/MQTT) |
Vollständig lokal möglich |
| Installation |
Modul hinter Schalter klemmen – Elektriker für 230-V-Arbeit nötig, App-Setup DIY |
Elektriker + KNX-Programmierer, Schaltschrank-zentriert |
| Hersteller-Vielfalt |
1 (Allterco Robotics) |
500+ (Gira, JUNG, MDT, ABB, Siemens, …) |
| Lebensdauer |
5–10 Jahre pro Modul realistisch (WLAN-Chip, Kondensatoren, Firmware-Support) |
25–30+ Jahre (KNX-Hardware aus 1995 funktioniert heute noch) |
| Energieeffizienz |
Energiemessung pro Modul gut; Beschattungs-/Präsenz-Logik nur per Drittsystem (Home Assistant) |
Präsenz-/Lichtsteuerung, PV-Lastmanagement, Wetterstation-geführte Beschattung – ganzhausweit |
Shelly – Pro und Contra ehrlich
Was Shelly richtig gut macht
- Unschlagbarer Preis: Ein Shelly 1 Mini Gen3 kostet rund 9 €, ein Shelly Plus 2PM (Rolladen) ~25 €, ein Shelly Pro 4PM für die Hutschiene ~85 €. Für das Geld bekommen Sie bei KNX gerade einen halben Schaltaktor.
- Local Mode = kein Cloud-Zwang: Anders als bei vielen Wettbewerbern können Sie die Cloud-Verbindung in den Shelly-Einstellungen deaktivieren. Steuerung und Automation laufen dann lokal über Home Assistant, ioBroker oder Node-RED. Das macht Shelly zur Datenschutz-Lieblings-Plattform vieler Bastler.
- Offene Schnittstellen: REST-API, MQTT, WebSocket – alles dokumentiert, alles ohne Hersteller-Abo. Sie können Shelly in jede Steuerungs-Plattform einbinden, sogar in eine bestehende KNX-Visualisierung.
- Rückbaubar: Module sitzen meist hinter dem vorhandenen Schalter oder als REG-Variante im Zählerschrank. Bei Auszug abklemmen, alten Schalter wieder anschließen, fertig – das ist im Mietverhältnis ein echtes Argument.
- Energiemessung integriert: Viele Shelly-Module (Plus 1PM, Plus 2PM, Pro 4PM) messen Stromverbrauch pro Kanal in Watt und kWh. Für Energie-Bewusste eine charmante Funktion.
- Open-Source-Firmware: Tasmota und ESPHome lassen sich auf die meisten Shelly-Module flashen. Wer Allterco-Cloud komplett umgehen will, bekommt damit ein 100 % offenes System.
Wo Shelly schwächelt
- WLAN-Abhängigkeit: Jedes Modul ist ein WLAN-Client. Der typische FRITZ!Box-Router schafft stabil rund 50–80 gleichzeitige Smart-Home-Clients. Wer das ganze Haus mit 100+ Modulen ausstattet, braucht Mesh, IoT-VLAN und Geduld. Ein KNX-Bus juckt das nicht.
- Latenz und Ausfall: WLAN-Schaltsignale haben typische Latenzen von 100–500 ms. Für einen Lichtschalter fast unmerklich – bei Rollladen-Gruppenfahrt im ganzen Haus aber sichtbar. KNX schaltet in <50 ms deterministisch.
- Cloud default aktiv: Frisch eingerichtet meldet sich jedes Modul bei der Allterco-Cloud an. Wer Datenschutz will, muss aktiv deaktivieren – auf jedem Modul.
- Keine Profi-Wandbedienung: Sie bedienen Shelly über den vorhandenen Schalter, ein Smartphone oder einen Drittanbieter-Wandtaster. Es gibt keine eleganten KNX-Glaspanels, keine Tableaus, keine Multifunktions-Bedieneinheiten von Gira/JUNG/MDT.
- Hersteller-Risiko: Allterco Robotics ist eine börsennotierte bulgarische Firma. Solider Wachstumskurs, aber kein Tausend-Mann-Konzern. Wenn die Firma in 15 Jahren nicht mehr existiert, sind Cloud, App und Updates weg.
- Heterogene Optik: Shelly-Module gibt es in mindestens drei Gehäuse-Generationen mit unterschiedlichen Maßen. Manche passen in jede Schalterdose, manche brauchen tiefe Dosen. Das ist im Einsatz-Mix oft eine kleine Bastelei.
- Skalierbare Beschattungsautomatik: Wetterabhängige Sonnenschutzsteuerung mit Wind-/Regen-/Sonnenstand über alle Fenster eines Hauses geht mit Shelly nur indirekt über Home Assistant + Wetterstation eines Drittherstellers. Bei KNX ist das eine Standard-Aufgabe.
KNX – Pro und Contra ehrlich
Was für KNX spricht
- 30+ Jahre offener Standard: EN 50090, ISO/IEC 14543. KNX-Komponenten aus 1995 reden noch mit aktuellen Aktoren. Rückwärtskompatibilität ist geläufige Praxis.
- 500+ Hersteller: Gira, JUNG, Berker, MDT, Siemens, ABB, Hager, Theben, Busch-Jaeger, … Hersteller-Lock-in ausgeschlossen.
- Dezentrale Robustheit: Aktoren funktionieren auch ohne zentrale Bridge oder Cloud. Selbst wenn die Visualisierung ausfällt, läuft Licht und Heizung weiter.
- Profi-Bedienelemente: Glas-Taster, KNX-Touchpanels (Gira G1, MDT Glastaster), eingelassene Tableaus. Optisch und haptisch eine andere Liga.
- Voller Funktionsumfang: DALI-Anbindung für Konstantlicht, Wetterstation mit Sonnenstand, KNX-Präsenzmelder mit Lux-Messung, PV-Lastmanagement, Multiroom-Audio – alles im Bus integriert.
- Wiederverkaufswert: Ein KNX-Haus erzielt nach unserer Erfahrung 5–10 % Premium gegenüber einem vergleichbaren Haus ohne Bus. Shelly-Module sind dem nächsten Käufer in der Regel egal.
Wo KNX nicht passt
- Hohe Anschaffungskosten: Ein kleines KNX-Setup startet bei ~3.500 €. Für das Geld bauen Sie ein komplettes Shelly-Haus.
- Nicht für Bestandsbau ohne Sanierung: Buskabel verlegen geht in einer bewohnten 90er-Wohnung nicht ohne Aufwand. KNX-RF (Funk) wäre möglich, aber teuer.
- Profi-Programmierung nötig: ETS-Software, Lizenz ~1.000 €, Einarbeitung mehrere Monate. Für Bauherren in der Regel ein Service des Schaltschrankbauers.
- Nicht ideal für „Ich will eine Steckdose fernschalten“-Use-Cases: Für einzelne Mini-Anwendungen ist KNX schlicht overdimensioniert.
Wann ist Shelly die bessere Wahl?
Klare Empfehlung für Shelly in folgenden Fällen:
- Mietwohnung: Rückbaubar, kein Eingriff in die Bausubstanz, kein Buskabel nötig.
- Bestandsbau ohne Sanierungsabsicht: Sie wollen punktuell Rollladen, Heizung oder einen Teil der Beleuchtung smart machen, ohne Wände aufzustemmen.
- Bastler/Maker: Sie genießen es, in Home Assistant Automationen zu bauen, MQTT-Nachrichten zu debuggen und mit Tasmota-Firmware zu spielen.
- Budget unter 1.500 €: Mit Shelly Plus 1PM, Plus 2PM und einem Bridge-Hub in Home Assistant decken Sie für 800–1.500 € den Großteil aller Wohn-Smart-Home-Wünsche ab.
- Punktuelle Ergänzung zu bestehender KNX-Anlage: Sie haben KNX im Wohnhaus, wollen aber in der Werkstatt oder Garage einzelne Verbraucher smart schalten – dafür ist ein Shelly 1PM perfekt.
- Sie wollen Stromverbrauch pro Verbraucher messen: Shelly Plus 1PM/2PM mit Energiemessung sind dazu ideal – viel günstiger als ein KNX-Energieaktor.
Wann ist KNX die bessere Wahl?
Klare Empfehlung für KNX bei:
- Neubau oder Kernsanierung: Die Buskabel werden ohnehin parallel mitverlegt – Mehrkosten beim Kabelmaterial sind marginal. KNX als Baukörper-Investition lohnt sich praktisch immer.
- Mehr als 50 Smart-Funktionen: Sobald Sie ganzhausweit Licht, Beschattung, Heizung, Präsenz und Sicherheit verschneiden wollen, ist die WLAN-Skalierung von Shelly am Anschlag.
- Sie wollen Profi-Wandbedienung: Glasflache Taster, Tableaus, eingelassene Touchpanels – nur mit KNX.
- 25+ Jahre Eigennutzung geplant: Auf die Lebensdauer wird KNX günstiger als jede WLAN-Lösung – Shelly-Module werden typischerweise nach 7–10 Jahren getauscht.
- Wettergeführte Beschattung: Wenn Wind/Regen/Sonnenstand integriert ins gesamte Haus sollen, ist KNX deutlich eleganter.
- Wiederverkauf wichtig: KNX-Haus = sichtbarer Premium-Eindruck mit Hauswert-Effekt.
Migration: Von Shelly auf KNX wechseln – geht das?
Diese Konstellation begegnet uns regelmäßig: Bauherren haben mit Shelly im Bestand begonnen, planen jetzt einen Anbau oder eine Kernsanierung und wollen das „richtig“ machen. So läuft die Migration typischerweise:
- Bestand dokumentieren: Welche Shelly-Module sind wo verbaut? Welche Funktion erfüllen sie? Liste machen.
- Sanierungsbereich klar abgrenzen: In den neu gebauten oder sanierten Bereichen Buskabel mitverlegen, Schaltschrank für KNX-Aktoren planen.
- Shelly-Bestand parallel betreiben: Über Home Assistant lassen sich Shelly und KNX in eine gemeinsame Visualisierung kombinieren. KNX-IP-Router (z. B. MDT) + Shelly-MQTT-Integration in Home Assistant macht das möglich.
- Rollladen-Migration: Wer schon Shelly 2PM hinter den Rollladenmotoren hat, kann diese erstmal behalten und später durch KNX-Jalousieaktoren ersetzen. Es gibt keinen direkten Umbauzwang.
- Heizungs-Migration: Shelly Plus H&T oder thermische Stellantriebe per Shelly Plus 1PM lassen sich gegen elektrothermische Stellantriebe + KNX-Heizungsaktor tauschen. Für ein durchgängiges Heizungskonzept ist Letzteres die saubere Lösung.
- Lichtmigration: Im Sanierungsbereich Wandtaster gegen KNX-Tasterschnittstellen, Aktoren in den Schaltschrank.
Praxis-Tipp
Wenn Sie heute schon Shelly-Module im Bestand haben und parallel an einen Anbau oder eine Etagensanierung denken: Es lohnt sich, den neuen Bereich gleich richtig in KNX zu machen. Über Home Assistant lassen sich beide Welten zu einer gemeinsamen Bedienoberfläche kombinieren – Sie müssen die Shelly-Hardware nicht wegwerfen.
Preisbeispiel: Einfamilienhaus mit 6 Räumen
Annahme: 130-m²-EFH, 6 Räume (Wohnen, Küche, Bad, 3x Schlaf), Standard-Smart-Home-Ausstattung. So sehen die beiden Welten in Zahlen aus:
| Komponente | Shelly (DIY) | KNX (Profi) |
| Zentrale / Gateway | Home Assistant auf Raspberry Pi ~120 € | KNX Spannungsversorgung + IP-Router ~450 € |
| Heizungsregelung (6 Räume) | 6× Shelly Plus 1PM ~20 € + 6× therm. Stellantrieb ~15 € = ~210 € | Heizungsaktor 6-fach + Stellantriebe ~600 € |
| Steckdosen schaltbar (6 Stück) | 6× Shelly Plus 1PM hinter Dose ~120 € | Schaltaktor 8-fach REG ~280 € |
| Lichtsteuerung (12 Kreise) | 12× Shelly Plus 1PM / Dimmer 2 ~200 € | Schalt-/Dimmaktor 8-fach + 4-fach Dimmer ~900 € |
| Rollladen/Jalousien (6 Stück) | 6× Shelly Plus 2PM ~150 € | Jalousieaktor 8-fach ~500 € |
| Wandbedienung | Konventionelle Taster bleiben, oder Shelly BLU Button ~30 € | 6× KNX-Glastaster ~480 € |
| Bewegungsmelder (3 Stück) | 3× Shelly BLU Motion ~60 € | 3× KNX-Präsenzmelder ~360 € |
| Wetterstation/Beschattung | Drittanbieter Wetterstation + Home Assistant Logik ~150 € | KNX-Wetterstation ~450 € |
| Installation 230 V (Elektriker) | ~500 € (nur Klemmarbeit) | Im Schaltschrank-Komplettpreis enthalten |
| Konfiguration/Programmierung | DIY (Home Assistant) ~0 € bzw. eigene Zeit | ~1.500–3.500 € |
| Gesamtkosten | ~1.500–1.900 € (DIY) | ~5.520–7.520 € (Vollausstattung) |
Shelly liegt also bei rund einem Drittel der Kosten von KNX – aber mit DIY-Arbeit, WLAN-Skalierungsrisiko und einem Funktionsumfang, der bei DALI/Konstantlicht/Multiroom-Audio aufhört. Für ein Mittelklasse-Setup im Bestand ist Shelly hervorragend bepreist. Für Neubau-Bauherren mit Langzeit-Perspektive bleibt KNX die nachhaltigere Investition.
Mythen-Check
Mythos: „Shelly ist genauso gut wie KNX, nur günstiger“
Funktional in vielen Anwendungsfällen tatsächlich vergleichbar. Aber: Shelly ist ein Modulkonzept, KNX ist eine Infrastruktur. Für 5–10 Funktionen im Haus reicht Shelly absolut. Für ganzhausweite, koordinierte Automatisierung (Verschattung mit Wetter, Präsenzlogik über alle Räume, PV-Lastmanagement) ist der KNX-Bus konzeptionell überlegen.
Mythos: „Shelly braucht keine Cloud“
Shelly kann ohne Cloud betrieben werden – das ist ein echtes Plus gegenüber vielen Wettbewerbern. Aber: Default ist Cloud aktiv. Für vollständig lokalen Betrieb braucht es Home Assistant, MQTT-Konfiguration und das manuelle Deaktivieren in jedem Modul. Für Einsteiger ist der lokale Pfad nicht der Standardweg.
Mythos: „Shelly hält genauso lang wie KNX“
Sehr unwahrscheinlich. KNX-Hardware aus 1995 funktioniert heute noch. Shelly-Module der ersten Generation (2017) sind 2026 teilweise nicht mehr supportet, weil die Firmware-Pflege nicht mehr lohnt. Realistische Erwartung für aktuelle Shelly-Module: 5–10 Jahre. Für ein Haus, das 30 Jahre stehen soll, bedeutet das mindestens einen Komplettaustausch der Module.
Mythos: „Shelly ist Open Source“
Halb richtig. Die Shelly-Firmware ist proprietär, aber gut dokumentiert (REST, MQTT, WebSocket). Auf vielen Shelly-Modulen lässt sich die Open-Source-Firmware Tasmota oder ESPHome flashen. Das macht Shelly zum „Open-Source-tauglichen“ Smart-Home-System – aber von Werk aus ist es ein normales kommerzielles Produkt.
FAQ
Kann ich Shelly und KNX gleichzeitig betreiben?
Ja, problemlos. Über Home Assistant lassen sich Shelly-Module (via MQTT) und KNX (via KNXD oder MDT IP-Router) in einer Oberfläche kombinieren. Praktisch für Bauherren, die im Hauptgebäude KNX und in Nebenräumen Shelly haben.
Wie viele Shelly-Module hält ein normaler Router aus?
Eine FRITZ!Box 7590 schafft stabil ~50–80 gleichzeitige Smart-Home-Clients. Mit Mesh-Repeatern kann man auf 150 hochskalieren, aber dann werden Latenzen spürbar. Für ein großes EFH mit ganzhausweiter Automation ist KNX die saubere Wahl.
Wie schnell schaltet ein Shelly im Vergleich zu KNX?
Shelly über WLAN: typisch 100–500 ms Latenz, gelegentliche Aussetzer möglich. KNX am Bus: ~30–50 ms, deterministisch. Für einen einzelnen Lichtschalter ist der Unterschied kaum spürbar. Für eine Gruppenfahrt aller Rollladen am Morgen ist KNX merklich harmonischer.
Was passiert mit Shelly bei Internet-Ausfall?
Wenn der lokale Modus aktiv ist und die Steuerung über Home Assistant oder die Shelly-App im selben Netz läuft: nichts – alles bleibt funktionsfähig. Wenn Sie nur die Allterco-Cloud nutzen und das Internet ausfällt, sind App-Steuerung und Sprachassistenten weg, die direkte Bedienung am vorhandenen Schalter geht weiter.
Geht KNX mit Home Assistant zusammen?
Ja, sehr gut. KNX-IP-Router (MDT, Gira, Weinzierl) bieten eine Schnittstelle, die Home Assistant via KNX-Integration nativ unterstützt. Damit lassen sich KNX-Aktoren, Shelly-Module, Hue-Lampen und Bosch-Sensoren in einer Oberfläche vereinen.
Wie sicher sind Shelly-Module gegen Hacker?
Shelly nutzt HTTPS, WPA2/WPA3-WLAN-Authentifizierung und Benutzer-Login. Für ein normales Heimnetz ausreichend. Wer maximale Sicherheit will: Shelly in ein separates IoT-VLAN packen, Cloud deaktivieren, lokal über Home Assistant betreiben. KNX im rein lokalen Betrieb ist prinzipbedingt sicherer, weil es schlicht keine Schnittstelle zum Internet hat.
Lohnt sich Shelly im Neubau?
Selten. Im Neubau werden ohnehin Kabel verlegt – wer dann nur KNX-Buskabel zusätzlich zieht, hat eine deutlich nachhaltigere Infrastruktur. Shelly im Neubau macht nur Sinn als übergangsweise Sparlosung mit klarem Migrationspfad – oder für Mini-EFH unter 100 m² mit kleinem Funktionsumfang.
Was kostet ein Shelly-Schaltschrank mit Pro-Serie?
Shelly Pro 4PM (4-fach Schaltaktor für Hutschiene mit Messung) kostet ~85 €. Für ein 6-Raum-EFH mit professioneller REG-Lösung kommen Sie auf ~600–900 € reine Modulkosten + Schaltschrank + Elektriker. Damit liegt Shelly Pro etwa beim Drittel eines KNX-Aktoren-Sets, hat aber ebenfalls die WLAN-Skalierungsfrage und Allterco-Cloud-Abhängigkeit.
Kann ich Shelly über Apple HomeKit oder Matter steuern?
Shelly hat in den neueren Generationen (Plus/Pro) Matter- und HomeKit-Unterstützung. Damit lässt sich ein Teil der Shelly-Welt auch über Apple Home steuern. Für tiefere Automation bleibt Home Assistant der saubere Weg.
Welches System für Mieter – Shelly oder KNX?
Shelly – eindeutig. Rückbaubar, kein Eingriff in die Bausubstanz, kein Buskabel nötig. Für Mietwohnungen die offensichtliche Wahl. Wer aber lieber einen ganz anderen Ansatz mag:
FRITZ! DECT setzt auf DECT-ULE statt WLAN.
Fazit: Shelly ist clever – KNX ist nachhaltig
Shelly ist eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte. Klein, günstig, offen, mit lokalem Modus und Open-Source-Firmware-Kompatibilität. Für Mieter, Bestandsbauten und Bastler ist Shelly eine ehrliche Empfehlung – oft die ehrlichere als der teure Cloud-Mid-Range-Wettbewerb.
Trotzdem: Für ein Haus, das Sie 25+ Jahre selbst bewohnen wollen, ist KNX die nachhaltigere Investition. Offener Standard, herstellerneutral, kein WLAN-Skalierungsproblem, dezentrale Robustheit, Profi-Bedienelemente, Wettergeführte Beschattung, PV-Energiemanagement und ein realer Wiederverkaufseffekt sprechen für KNX. Die Mehrkosten von ~4.000 € relativieren sich auf 25 Jahre Lebensdauer schnell.
Unsere Empfehlung: Rechnen Sie im KNX-Konfigurator Ihren konkreten Preis. Wenn der Aufpreis im Verhältnis zum Shelly-Setup zu hoch wirkt und Sie eh nicht mehr als ein paar smarte Funktionen wollen – Shelly ist die ehrliche Empfehlung. Wenn Sie mehr wollen und langfristig denken – KNX ist die saubere Lösung.
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